Die Drückjagd ist für viele Jungjäger die erste Gesellschaftsjagd und läuft anders ab als der Ansitz. Viele Menschen und Hunde sind unterwegs, das Wild kommt oft flüchtig. Deshalb gelten feste Regeln: bundesweit die Unfallverhütungsvorschrift Jagd, in Mecklenburg-Vorpommern zusätzlich die Pflicht zur Schießübung. Außerdem geht es um den Unterschied zur Treibjagd und deine Vorbereitung als Schütze.
Die kurze Antwort
Eine Drückjagd ist eine Bewegungsjagd auf Schalenwild wie Schwarz-, Reh-, Rot- und Damwild, meist im Wald. Treiber und Hunde bringen das Wild langsam in Bewegung, die Schützen schießen von festen Ständen aus, in der Regel mit der Büchse. Die Treibjagd im engeren Sinn ist eine Niederwildjagd im Feld, meist mit Schrot auf Hase, Fasan oder Fuchs.
Was ist eine Drückjagd? Der Unterschied zur Treibjagd
Oberbegriff ist die Bewegungsjagd. Der Deutsche Jagdverband (DJV) zählt die Drückjagd, das Standtreiben und die Riegeljagd zu den Treibjagdformen im Wald. Gesetzlich definiert sind Drück- und Treibjagd weder im Bundesjagdgesetz noch im Landesjagdgesetz Mecklenburg-Vorpommern.
Bei der Drückjagd gehen Treiber und Hunde still und langsam durch die Einstände, damit das Wild ruhig vor die Schützen kommt. Laut DJV wird eine Fläche so am besten nur an ein bis zwei Tagen im Jahr beunruhigt.
Die Treibjagd im engeren Sinn ist eine Jagd im Feld mit der Flinte. Auf Schalenwild ist Schrot nach § 19 Abs. 1 Nr. 1 BJagdG verboten, deshalb schießt du auf der Drückjagd in der Regel mit der Büchse.
| Jagdart | Wild und Gelände | Ablauf und Schuss |
|---|---|---|
| Drückjagd | Schalenwild, meist im Wald | Wild wird langsam bewegt, Schützen auf festen Ständen, Büchse |
| Treibjagd | Niederwild wie Hase, Fasan, Fuchs, meist im Feld | Treiber und Schützen in Linien oder im Kreis, Flinte mit Schrot |
| Ansitz | vor allem Schalen- und Raubwild, Wald und Feld | Einzeljagd vom Hochsitz, meist auf stehendes Wild |
Wann ist Drückjagdsaison?
Drückjagden finden vor allem im Herbst und Winter statt. Schwarzwild darf nach Bundesrecht ganzjährig bejagt werden, geschützt sind aber die für die Aufzucht notwendigen Elterntiere. Für Rot-, Dam- und Rehwild einschließlich Kälbern und Kitzen endet die Jagdzeit in Mecklenburg-Vorpommern am 31. Januar.
In einer behördlich festgelegten Notzeit sind Drück- und Treibjagden in Mecklenburg-Vorpommern verboten. Ausnahmen gegen übermäßigen Wildschaden gibt es nur auf Antrag.
So läuft eine Drückjagd ab
Was der Jagdleiter anordnet, gilt. Ein typischer Ablauf:
- Sammeln und Belehrung: Der Jagdleiter belehrt Schützen und Treiber, gibt die Signale bekannt und nennt die Freigabe, also welches Wild du beschießen darfst.
- Anstellen: Ein Ansteller bringt dich zu deinem Stand, meist einem Drückjagdbock, und bezeichnet den Schussbereich.
- Auf dem Stand: Präg dir ein, wo deine Nachbarn stehen und wo Wege oder Straßen verlaufen. Verständige dich mit ihnen und lade erst jetzt, sofern der Jagdleiter nichts anderes anordnet.
- Anblasen: Das Signal „Anblasen des Treibens“ eröffnet das Treiben. Treiber und Hunde gehen los, und ab jetzt darfst du auf freigegebenes Wild schießen.
- Hahn in Ruh: Dieses Signal bedeutet „Aufhören zu schießen“. Danach fällt kein Schuss mehr, und du entlädst sofort.
- Strecke: Der Bergetrupp holt das Wild. Zur Strecke gehören der Schützenbruch für den Erleger und die Signale „Jagd vorbei“ und „Halali“.
Sicherheit auf der Drückjagd: Regeln der UVV
Maßgeblich ist die Unfallverhütungsvorschrift Jagd (UVV) der landwirtschaftlichen Sozialversicherung SVLFG, aktuell in der Ausgabe vom 22. August 2024. Für dich heißt das:
- Außerhalb des Treibens ist die Waffe ungeladen, der Verschluss offen, die Mündung zeigt nach oben oder die Waffe ist abgeknickt. Im Fahrzeug ist sie ganz entladen, beim Auf- und Absteigen am Drückjagdbock und beim Überwinden von Hindernissen ist zumindest das Patronenlager leer.
- Du schießt nur im zugewiesenen Schussbereich. Den Stand veränderst oder verlässt du vor Ende des Treibens nur mit Erlaubnis des Jagdleiters und erst, nachdem du dich mit deinen Nachbarn verständigt hast.
- Mit Büchsen- oder Flintenlaufgeschossen schießt du nicht ins Treiben. Ausnahmen, etwa bei Ansitzdrückjagden, kann nur der Jagdleiter zulassen, und nur wenn niemand gefährdet wird.
- Du schießt erst, wenn du sicher bist, dass niemand gefährdet wird, weder direkt noch durch Abpraller oder fehlenden Kugelfang. In Richtung von Personen in gefahrbringender Nähe schlägst du weder an noch schießt du, und beim Mitschwingen ziehst du nie durch die Schützen- oder Treiberlinie.
- Bei dichtem Nebel, einsetzender Dunkelheit oder Schneetreiben muss der Jagdleiter die Jagd einstellen.
Signalkleidung: mehr als nur ein Hutband
Alle unmittelbar Beteiligten müssen sich deutlich farblich von der Umgebung abheben. Als geeignet nennt der Hinweis zur UVV seit 2023 großflächige Oberbekleidung in Signalfarbe wie Warnwesten. Die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern verlangt bei Gesellschaftsjagden in ihren Revieren gelbe oder orangerote Kleidung am Oberkörper und dazu eine orangerote Kopfbedeckung oder ein signalfarbenes Hutband. Beides bringst du selbst mit.
Schießnachweis: was in Mecklenburg-Vorpommern gilt
Seit dem 1. April 2024 darfst du in Mecklenburg-Vorpommern nur an Bewegungsjagden teilnehmen, wenn du in den zwölf Monaten davor eine Übung in der Schießfertigkeit gemacht hast (§ 22 Abs. 1 Nr. 1 LJagdG M-V). Disziplin, Schusszahl und Mindestergebnis schreibt das Gesetz nicht vor.
Die Pflicht gilt laut Ministerium auch für Hundeführer, die ihre Waffe einsetzen. Anerkannt werden Nachweise anderer Bundesländer, die Teilnahme an jagdlichen Schießwettbewerben und Übungen im Schießkino. Ein Verstoß kann bis zu 10.000 Euro Geldbuße und einen befristeten Entzug des Jagdscheins nach sich ziehen.
Laut Landesjagdverband reicht zum Beispiel ein Besuch am laufenden Keiler oder im Schießkino mit Bestätigung vor Ort. Die Landesforst verlangt für ihre Reviere mehr: einmal jährlich Rehbockscheibe und laufenden Keiler, bestätigt im Schießnachweisheft. Lass dir deshalb jede Übung mit Datum bestätigen und frag vor der Jagd, welcher Nachweis zählt.
Niedersachsen und andere Länder
In Niedersachsen musst du, wenn du bei einer Gesellschaftsjagd jagen willst, einen Schießübungsnachweis oder gleichwertigen Nachweis mitführen, der nicht älter als ein Jahr ist (§ 24 Abs. 5 NJagdG). Für Schalenwild sind seit dem 1. Februar 2025 mindestens zehn Schuss mit der Büchse ab Kaliber .222 nötig, davon mindestens fünf auf ein bewegtes Ziel. Den Nachweis stellt die Aufsicht der Schießstätte aus, mit Name, Schießstand, Art der Übung und Datum.
Auch Nordrhein-Westfalen verlangt für Bewegungsjagden auf Schalenwild einen Schießübungsnachweis. In Rheinland-Pfalz sieht das neue Landesjagdgesetz eine solche Pflicht ab dem 1. April 2027 vor, die Landesregierung hat aber noch Anpassungen angekündigt.
Der Schuss auf flüchtiges Wild
Schieß möglichst auf verhoffendes Wild, auf ziehendes oder trollendes nur, wenn es breit steht, und auf Rehwild nur, wenn es verhofft. So empfiehlt es der DJV. Sicheres Ansprechen ist Pflicht: Wer ein für die Aufzucht notwendiges Elterntier bejagt, in Mecklenburg-Vorpommern etwa eine Bache mit noch gestreiften Frischlingen, macht sich nach § 38 BJagdG strafbar, auch bei Fahrlässigkeit.
Auch geübte Schützen schießen auf flüchtige Sauen selten weiter als 50 Meter, so beschreibt es das Fachmagazin PIRSCH. Stell dein Zielfernrohr auf die kleinste Vergrößerung und dreh nur hoch, wenn du es wirklich brauchst.
Vorbereitung auf dem Schießstand
In der DJV-Schießvorschrift läuft die Scheibe „flüchtiger Überläufer“ in 1,8 bis 2,0 Sekunden über eine 6 Meter breite Schneise, auf 50 oder 60 Meter. Üb genau das übers Jahr verteilt und vor allem vor der Hauptjagdzeit. Kontrollier dabei auch, ob deine Waffe noch Fleck schießt.
Üben in der Waffenburg Zingst
Unsere vollklimatisierte Schießanlage in Zingst arbeitet mit elektronischer Trefferauswertung. Am Sonderstand mit laufendem Keiler und Kipp-Hasen kostet die Bahn 25 Euro je Stunde, das Einschießen deiner Waffe 25 Euro ohne Munition. Eine individuelle Schießausbildung mit Ausbilder kannst du dazubuchen. Ob dein Jagdveranstalter die Übung als Nachweis anerkennt, klärst du bitte vorher mit ihm.
Am laufenden Keiler trainieren →
Nach dem Schuss: Nachsuche und Hygiene
Liegt das Stück nicht, merkst du dir Anschuss und Fluchtrichtung, bleibst auf dem Stand und meldest den Schuss nach dem Treiben dem Jagdleiter. Krankgeschossenes Wild muss unverzüglich erlegt werden. Die Nachsuche übernehmen laut DJV aber nur Personen, die die Jagdleitung damit beauftragt hat.
Schalenwild wird so schnell wie möglich aufgebrochen und auf höchstens 7 °C Innentemperatur gekühlt. Wildschweine müssen amtlich auf Trichinen untersucht werden, auch für den Eigenverbrauch.
Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich, kann aber über Kleidung, Fahrzeuge und Ausrüstung verschleppt werden. Das Land Mecklenburg-Vorpommern empfiehlt deshalb unter anderem Gummihandschuhe beim Aufbrechen, den Stiefelwechsel am Auto und die 60-Grad-Wäsche verschmutzter Jagdkleidung. Tot gefundene Wildschweine meldest du dort der Veterinärbehörde des Landkreises.
In Restriktionsgebieten gelten zusätzlich Allgemeinverfügungen der Landkreise. Aktuelles steht auf der ASP-Informationsseite des Landes.
Deine erste Drückjagd: So bereitest du dich vor
Was für Munition und Waffe gilt
Auf Rehwild braucht die Büchsenpatrone nach Bundesrecht mindestens 1.000 Joule auf 100 Meter (E 100), auf Schwarz-, Rot- und Damwild mindestens 6,5 mm Kaliber und 2.000 Joule. Halbautomatische Langwaffen dürfen beim Schuss auf Wild insgesamt höchstens drei Patronen geladen haben.
In Mecklenburg-Vorpommern darf Schalenwild ab dem 1. April 2027 nicht mehr mit Munition erlegt werden, die mehr Blei an den Wildkörper abgibt als nach dem Stand der Technik vorgesehen, Fangschüsse ausgenommen. In den Revieren der Landesforst sind bleihaltige Geschosse schon seit dem Jagdjahr 2014/2015 nicht gestattet.
Das gehört in den Rucksack
- Papiere: Jagdschein auf deinen Namen, Personalausweis oder Pass, Waffenbesitzkarte, Bestätigung der Schießübung und die Einladung.
- Kleidung: Warnweste oder Jacke in Signalfarbe, signalfarbene Kopfbedeckung, warme und leise Kleidung für Stunden auf dem Stand.
- Am Stand: Sitzkissen, Fernglas, Gehörschutz, Markierband für den Anschuss nach dem Treiben, Messer, Handschuhe und ein Erste-Hilfe-Set.
Knigge für Neulinge
- Auf dem Stand bleibst du still, dein Handy auch.
- Lass ein Stück lieber ziehen, als unsicher zu schießen.
- Alkohol gibt es, wenn überhaupt, erst nach der Jagd.
- Nach der Strecke bedankst du dich bei Treibern und Hundeführern.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag gibt den Stand September 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Vieles davon ist Landesrecht. Verbindlich ist die zuständige Behörde, bei einer konkreten Jagd zusätzlich die Vorgabe des Jagdleiters.
Häufige Fragen
Wie lange ist ein Schießnachweis gültig?
In Mecklenburg-Vorpommern muss die Schießübung innerhalb der letzten zwölf Monate vor der Jagd liegen, in Niedersachsen darf der Nachweis nicht älter als ein Jahr sein. Maßgeblich sind das Land, in dem du jagst, und die Vorgaben des Veranstalters.
Darf ich mit dem Jugendjagdschein an einer Drückjagd teilnehmen?
Nicht mit der Waffe, also weder als Schütze noch als Hundeführer mit Waffe. Der Jugendjagdschein berechtigt nach § 16 Abs. 3 BJagdG nicht zur Teilnahme an Gesellschaftsjagden, und Drückjagden sind in der Regel Gesellschaftsjagden. Ob du als Treiber mitgehen kannst, klärst du mit dem Veranstalter.
Was bedeutet das Schild „Achtung Treibjagd“?
Es warnt vor einer Gesellschaftsjagd in der Nähe, auch einer Drückjagd, und vor Wild, das plötzlich über die Straße wechseln kann. Fahr dort langsam und bremsbereit und meide das Waldstück an diesem Tag, schon zu deiner eigenen Sicherheit. Wer eine Jagd vorsätzlich stört oder behindert, handelt in Mecklenburg-Vorpommern ordnungswidrig.
Wie lange dauert eine Drückjagd?
In einer Auswertung von 45 Ansitzdrückjagden in Brandenburg (2003 bis 2009) dauerten die Treiben zwei bis vier Stunden, rund 90 Prozent der Schüsse fielen aber in den ersten zwei Stunden. Mit Belehrung, Bergen und Strecke solltest du einen ganzen Tag einplanen.
Was ist ein Drückjagdbock?
Ein Drückjagdbock ist ein offener, erhöhter Stand, von dem aus du bei der Drückjagd schießt. Das Fachmagazin PIRSCH empfiehlt mindestens 2,50 Meter Höhe, damit zumindest auf kurze Distanz der gewachsene Boden als Kugelfang dient. In Mecklenburg-Vorpommern darfst du Drückjagdböcke wie andere Jagdeinrichtungen nur zur befugten Jagdausübung betreten.
Fazit
Auf der Drückjagd zählt Disziplin: Du schießt nur im zugewiesenen Bereich und nur auf sicher angesprochenes Wild. Wer vorher auf bewegte Ziele trainiert, bleibt auf dem Stand ruhiger.
Im Kompaktkurs der Jagdschule Eixen simulieren wir unter anderem eine Drückjagd. Mehr zum Thema: Schießausbildung beim Jagdschein, Tipps für Jungjäger, Waffenrecht für Jäger und Jagen mit dem Jugendjagdschein.





